Kurzschluss im Körper? Fisteln als Begleiterkrankungen bei Morbus Crohn

Vielleicht gehörst du auch zu den 40 Prozent der Morbus Crohn-Patienten, die sie bereits einmal im Krankheitsverlauf hatten: Fisteln. In rund 20 Prozent dieser Fälle befinden sie sich um den Anus (so genannte perianale Fisteln oder Analfisteln). Als Folge von Entzündungen, Schleimhauteinrissen und Abszessen im Anusbereich können sich Fisteln als Vorbote einer chronisch-entzündlichen Erkrankung zeigen, ehe die eigentliche Diagnose gestellt wird.

Was sind Fisteln genau?

Unter Fisteln versteht man unnatürliche Verbindungsgänge zwischen dem Darm und anderen Organen,
die vor allem bei Morbus Crohn, selten dagegen bei Colitis ulcerosa auftreten. Die Ursache von
perianalen Fisteln ist nicht eindeutig geklärt. Man nimmt an, dass erbliche Veranlagung und
Umweltfaktoren, wie z.B. das Rauchen, eine Rolle spielen können. Auch eine Fehlregulation des
Immunsystems oder dauerhafte Entzündungen der Darmschleimhaut, wie sie bei Morbus Crohn
vorherrschen, kann für das Entstehen von Fisteln verantwortlich sein. Die Fistelgänge sind mit krankhaft
veränderten Zellen ausgekleidet. Wenn du schon einmal von Fisteln betroffen warst, kannst du dich
sicher an die eitrige Flüssigkeit (Sekret) und die Schmerzen erinnern, mit denen diese Komplikation einer
chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) einhergeht.

Analabszess oder Analfistel – wo liegt der Unterschied?

Eine weitere Komplikation bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen können Abszesse
(Eiteransammlungen) im Analbereich sein. Sie entstehen durch eine akute Entzündung von Fisteln oder
der Duftdrüsen im Bereich zwischen innerem und äußerem Schließmuskel, ausgelöst meist durch Darmund
Hautkeime. Abszesse äußern sich durch akut zunehmenden Schmerz, teilweise mit Fieber und mit
einem ausgeprägten Krankheitsgefühl.

Die „Nebenwirkungen“ von Fisteln

Neben den Schmerzen können Fisteln weitere unangenehme Begleiterscheinungen haben. Besteht ein
Fistelgang beispielsweise zwischen Dünn- und Dickdarm, kann es bei dir zu einer bakteriellen
Fehlbesiedlung kommen. Das bedeutet, dass Bakterien aus deinem Dickdarm in den Dünndarm gelangen
und den Nahrungsbrei verwerten. So entstehen Gase, die bei dir noch Stunden nach dem Essen zu
Durchfall führen können. Fisteln können auch Einfluss auf die „Familienplanung“ haben, wenn sie im
Unterbauchbereich auftreten und so die Fruchtbarkeit einschränken können.

Wie lassen sich Fisteln behandeln?

Fisteln des Enddarmbereichs können gut über eine rektale Endosonografie (innerer Ultraschall des
Enddarms) oder Magnetresonanztomographie (MRT) beurteilt werden. Sie können entweder operativ
oder mit Medikamenten behandelt werden. Bei der medikamentösen Variante können die Fisteln
zusätzlich mit einer Drainage (Ableitung von Sekreten entlang eines Fadens) offengehalten werden. Ziel
ist es, die Fisteln auszutrocknen und so zu einem langfristigen Fistelverschluss zu kommen.

Welches der genannten Verfahren für dich das passende ist, wenn du von einem Fistelleiden betroffen
bist, solltest du mit deinem Arzt, der auch den Morbus Crohn behandelt, besprechen. Er wird zusammen
mit dir und möglicherweise auch einem koloproktologischen Chirurgen (Spezialist für Dick- und
Enddarmerkrankungen) die Therapieziele festlegen und die Behandlung abstimmen.

Du möchtest noch mehr über das Thema Fisteln erfahren? Dann schau doch bei unserem Online-
Seminar „Fisteln bei Morbus Crohn – Sprich darüber und sei Teil des Teams“ vorbei, das am 09.04.2019
um 19 Uhr stattfindet. Hier kannst du dich anmelden. Mehr Informationen, u. a. zu den verschiedenen Therapieoptionen, gibt es auch auf der Patientenwebseite: https://www.takeda-gastroenterologie.de/stammzelltherapie

Zuletzt aktualisiert: 04.04.2019