Zähne zeigen – Munderkrankungen im Zusammenhang mit CED

Durchfall, Abgeschlagenheit oder Übelkeit kennst du als Begleiterscheinungen deiner chronischentzündlichen
Darmerkrankung (CED)? Diese Symptome treten häufig auf, aber es können sich
Veränderungen deines Morbus Crohn (MC) oder deiner Colitis ulcerosa (CU) auch an Stellen
zeigen, bei denen du vielleicht keinen Zusammenhang mit den beiden Krankheitsbildern
vermutest: im Mundraum.

Vielleicht hattest du noch nie von „Aphten“ gehört und gut möglich, dass du sie auch nie
entwickeln wirst. Warum es dennoch wichtig ist, diese Sypmtome zu kennen? Je schneller du sie
als mögliche Begleiterscheinung deiner CED identifizierst, desto schneller kannst du dies mit
deinem Gastroenterologen besprechen!

Spiegel für Krankheiten: Der Mund

Im Mundraum leben etwa 500 Arten von Lebewesen und Milliarden von Bakterien, die gegen
Krankheitserreger schützen. Trotz guter Mundhygiene können dort Veränderungen, z. B. Aphthen
(kleine weiße Flecken mit rotem Rand) auftreten, die auf verschiedene Krankheitsbilder, wie z. B.
Rheuma, hindeuten und eine Begleiterscheinung davon sein können. Auch bei chronischentzündlichen
Erkrankungen können sich unspezifische, also nicht einem Krankheitsbild
zuzuordnende, Schädigungen der Mundschleimhaut zeigen, die auf einen Morbus Crohn oder eine
Colitis ulcerosa zurückzuführen sind. Dazu gehört z. B. die aphthöse Stomatitis, bei der sich der
Mundraum entzündet und mit Bläschen zeigen kann, zudem entzündete, eingerissene Mundwinkel
(Cheilitis angularis), oder Entzündungen der Zungenschleimhaut (Glossitis). Solche Veränderungen
im Mundraum kommen häufiger bei Morbus Crohn-Betroffenen, als bei Patienten mit Colitis
ulcerosa vor. Während sich bei Betroffenen einer Colitis ulcerosa nur unspezifische Symptome
einer CED im Mund beobachten lassen, zeigen sich bei Betroffenen von Morbus Crohn auch
„spezifische“ Veränderungen. Dazu kann die so genannte „Kopfsteinpflaster“-Struktur
(„Cobblestone“) zählen, wobei dieses Muster der Mundschleimhaut durch Schwellungen und
Furchen dazwischen zustande kommt.

Warum gibt es im Mund Symptome?

Die nicht-spezifischen Veränderungen im Mundraum können dann auftreten, wenn du gerade im
Schub steckst, wenn du aufgrund des Schubs eine ungenügende Nährstoffaufnahme im Darm
(Malabsorption) hast oder durch Nebenwirkungen von Arzneimitteln. Eine Malabsorption haben
etwa 23 Prozent der CED-Betroffenen, die nicht in einem Krankenhaus liegen. Sie können durch
eine reduzierte Nahrungsaufnahme oder eine verminderte Resorption von z. B. Vitaminen im
Darm entstehen und möglicherweise zu einer Anämie wegen niedriger Eisenwerte, eines
verringerten Folat-Levels und zu wenig Vitamin B12 führen. Eine Anämie aufgrund von
Eisenmangel oder Vitamin B12 kann sich dann im Mundbereich durch eine „glatte“ Zunge mit
Zungenschmerzen oder auch mit eingerissenen Mundwinkeln bemerkbar machen. Schwellungen
der Mundschleimhaut oder spontane Blutungen im Mund können auf einen Vitamin C Mangel
hinweisen.

Was kannst du dagegen tun?

Natürlich ist es das Ziel, mögliche Schmerzen zu reduzieren, die Heilung zu beschleunigen und
weiteren Infektionen vorzubeugen. Dabei hängt die Behandlung vom Grund der Entstehung, der
Schwere der Ausprägung und der Symptome ab. Ist ein mangelhafter Ernährungszustand die
Ursache für eingerissene Mundwinkel, kann z. B. mit einer zusätzlichen Einnahme des
entsprechenden Vitamins entgegengesteuert werden – wird ein Pilz als Auslöser durch den Arzt
festgestellt, müssen entsprechende Medikamente (Antimykotika) angewendet werden. In jedem
Fall solltest du bei Veränderungen der Mundschleimhaut deinen Zahnarzt bzw. Gastroenterologen
aufsuchen, um dort die Ursache klären zu lassen.

Zuletzt aktualisiert: 19.05.2020