Sport und CED: Passt das zusammen?

„Trotz CED mache ich Sport. Und du?“ André Vieth hat Morbus Crohn und macht regelmäßig Kraftsport. In diesem Video zeigt er, dass Sport und eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung sich nicht automatisch ausschließen.

Bereits moderate Bewegung kann Betroffenen mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa helfen, mit ihrer Erkrankung besser umzugehen. Dabei sollte jeder die Bewegungsart finden, mit der er sich wohl fühlt: Autogenes Training zur Entspannung oder Kraft- bzw. Ausdauersport, um sich auszupowern. Besonders wichtig dabei: Höre auf deinen Körper und achte auf die Zeichen, die er dir gibt. Das bedeutet auch, dem Körper Erholungsphasen zu gönnen und die Sportart zu finden, die für dich geeignet ist.

Besondere Rahmenbedingungen im Sport

Mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen reagiert der Körper sensibler auf schlechtes Wetter, Hitze oder Kälte, als der von Nicht-Betroffenen. Hinzu kommt, dass durch hochintensive Aktivitäten, durch die die Atemgeschwindigkeit und somit das Atemvolumen erhöht wird, die Keimmenge im Körper steigt. Der Körper wird so mehr belastet.

Drei Bereiche unseres Körpers spielen eine entscheidende Rolle, wenn Belastungen auf ihn wirken: das Nervensystem, der Stoffwechsel und das Abwehrsystem. Das Nervensystem schüttet unter Stress die Stresshormone Katecholamin und Kortisol aus. Moderate Belastungen dagegen führen im Stoffwechsel zu optimalen Bedingungen – auch hinsichtlich der Fettverbrennung. Ein mäßiges Training hat zudem positive Effekte auf das Abwehrsystem, z. B. das der Darmschleimhaut. Es kommt zu einem raschen Anstieg der Abwehrzellen im Blut. Dadurch sinkt die Infektanfälligkeit und Entzündungen werden gehemmt.

Sport bei Crohn und Colitis als Schmerztherapie nutzen

Die Auswirkungen von leichten bis moderaten Belastungen können insgesamt helfen, die chronische Darmerkrankung besser zu bewältigen und die Schlafqualität sowie die Verdauungsfunktionen zu verbessern. Außerdem reduziert sich das bei einer CED erhöhte Risiko an Osteoporose zu erkranken. In einer Analyse von 15 Studien, unabhängig von der Erkrankung, konnte sogar gezeigt werden, dass mit mindestens drei Stunden Sport pro Woche, Schmerzen signifikant besser ertragen und die Menge an Schmerzmitteln reduziert werden kann.1

Doch Vorsicht: Die Sportintensität sollte langsam gesteigert werden. Hast du gewusst, dass selbst bei gesunden Läufern der Blutfluss im Darm während eines Laufs bis zu 80 Prozent2 reduziert wird? Daher ist es wichtig, dass sich der Körper langsam an die Belastungen gewöhnt. Dies führt zu positiven Effekten auf die Regeneration der Darmschleimhaut und beugt Beschwerden im Magen-Darm-Trakt vor. Begleitende Faktoren rund um das Laufen sollten gleichzeitig optimiert werden, wie Trainings- und Ernährungspläne, gutes Stressmanagement und ausreichend Schlaf. Im Profibereich sollte dies sowie die Leistungsdiagnostik zur Trainingssteuerung mit dem Arzt abgestimmt werden.

Auswirkungen der CED auf die Leistungsfähigkeit

Kann der Körper von Menschen mit einer CED sportlich ähnliche Leistungen bringen, wie der eines Gesunden? Um diese Frage zu beantworten, muss man sich den Körper wieder auf einer medizinischen Ebene anschauen. Eine entscheidende Rolle spielen dabei Botenstoffe, die so genannten Mediatoren wie z. B. Interleukine. Wenn Menschen altern, werden diese hochreguliert – mit rascherem Abbau des Muskeleiweißes und schlechterem Muskelneuaufbau als Folge. Solche Effekte findet man auch bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Hinzu kommt, dass die Oberfläche der Dünndarmschleimhaut durch entzündete Bereiche verkleinert ist und so Nährstoffe aus der Nahrung nicht in ausreichender Menge aufgenommen werden können. Müssen etwa noch Steroide eingenommen werden, nimmt die fettfreie Körpermasse ab und Muskeln werden vermehrt abgebaut. Einen Abbau der Muskelkraft wiesen zwei Studien, einmal für Morbus Crohn und einmal für Colitis ulcerosa, nach. Nichtsdestotrotz gibt es eine positive Botschaft: All dies kann durch gezieltes Training kompensiert werden. 

Nachweislich positiv wirkt sich Yoga auf Colitis ulcerosa aus. Das zeigte eine Studie: Nach zwölf Wochen berichteten die Probanden von einer signifikant höheren Lebensqualität. Außerdem hielten die Verbesserungen mindestens drei Monate an.3 Mehr als nur ein guter Grund, auch solche Sportarten in den Trainingsplan aufzunehmen.

Leistungssport #trotzCED?

Viele Sportarten können auch als Leistungssport betrieben werden – auch mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Doch auch hier gilt: Setze dir realistische Ziele und besprich deine Vorstellungen mit deinem behandelnden Arzt. Dabei gibt es einige Hinweise, die du beim Training berücksichtigen solltest:

  • Im Laufe der Zeit die Trainingshäufigkeit erhöhen, dabei aber die Einheiten verkürzen
  • Die Trainingsdichte, d. h. die Pausenlängen innerhalb einer Trainingseinheit und die zeitlichen Abstände zwischen mehreren Trainingseinheiten, nur langsam steigern (max. fünf bis zehn Prozent pro Woche)
  • Lange intensive Einheiten meiden und dafür kurze Belastungsspitzen einbauen
  • In Zyklen arbeiten: Innerhalb eines Trainings zwei bis drei moderate Einheiten nach jeder intensiveren Einheit einbauen

Kurz gesagt: Der Trick ist die „kluge Regeneration“ nach dem Sport – mit entsprechender Ernährung, ausreichend Schlaf und lockeren Sport-Einheiten.

Ein höheres körperliches Wohlbefinden, weniger Stress und eine Verbesserung der Körperwahrnehmung – das alles kann durch den Sport angestoßen werden. Er kann außerdem Rückhalt geben für den nächsten Schub. Mehr zum Thema Sport und Bewegung bei Crohn und Colitis erfährst du im entsprechenden Online-Seminar und von den Profi-Handballern vom THW Kiel.


  1. Tesarz J et al. Pain perception in athletes compared to normally active controls: A systematic review with meta-analysis. Pain. 2012;125(2), 1253-1262.

  2. Deutsches Ärzteblatt 2006; 103(31–32): A 2116–20

  3. https://ep70.eventpilot.us/web/page.php?page=IntHtml&project=DDW16&id=2436945 (letzter Aufruf: August 2017)

Zuletzt aktualisiert: 04.02.2019