Was, wenn Stress den Darm zusätzlich belastet?

Termindruck bei Projekten oder ein schwieriges Gespräch mit dem Kunden: Vielleicht hast du in solchen Situationen neben einem flauen Magen auch Durchfall. Interessant ist, dass der Darm dann einfach verrückt spielt. Aber was genau steckt dahinter? Woher weiß unser Darm, dass unser Körper gestresst ist und wie ist die Wirkung auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED), wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa?

Darm – Hirn: Eine enge Verbindung

Der Darm wird auch als zweites Gehirn bezeichnet. Das „zweite Gehirn“ und das Hirn bilden die Darm-Hirn-Achse. Sie ist ein hochkomplexes Netzwerk, u. a. aus autonomem und zentralem Nervensystem, über das Darm und Gehirn miteinander kommunizieren. Dieses wird sehr umständlich als „psycho-neuro-endokrine-immun-Modulation“ bezeichnet und spielt gerade bei Patienten mit CED in Verbindung mit Stress eine wichtige Rolle.

Stress + CED = Verstärkung der Entzündung?

So zeigen Studien, dass andauernder psychosozialer Stress, Stress im Beruf, unsere „westliche“ Ernährungsweise, aber auch Faktoren wie Angst oder Depression, sich negativ auf den Verlauf der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung auswirken können. Stress kann also eine zusätzliche Belastung für CED-Betroffene sein; bei manchen Patienten mit CED kann sich dadurch sogar das Rückfallrisiko für die Erkrankung erhöhen.

Eine Ursache hierfür ist, dass Stress die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut erhöht. Aus Sicht der Evolutionsforscher macht das auch durchaus Sinn, denn unser Körper geht unter Stress davon aus, dass er vermehrt Wasser, Natrium und energiereiche Substanzen zurückgewinnen muss. So kann er schnell genügend Reserven zur Bewältigung der Situation, z. B. zur Flucht vor wilden Tieren, bereitstellen. Wird die Darmschleimhaut durchlässiger, gelangen allerdings auch verstärkt Bakterientoxine aus dem Darm in die Blutbahn. Steht der Körper akut oder chronisch unter Stress, können die Toxine eine Entzündungsreaktion auslösen und sogar die Symptome der CED verstärken.

Stress als CED-Trigger: Wieder im Forschungsfokus!

Medizinhistorisch betrachtet, galten sowohl Colitis ulcerosa als auch Morbus Crohn zunächst als psychosomatische Erkrankungen, bei denen Stress oder Depressionen eine wichtige Rolle spielten. Mit zunehmender Kenntnis über genetische, ökologische und molekulare Mechanismen dieser Erkrankungen, rückten psychologische Faktoren jedoch in den Hintergrund. Stress wurde lediglich als ein vager subjektiver Begriff abgetan. Heute sieht dies wieder anders aus – psychischer Stress kann durch verschiedene Mechanismen das Rückfallrisiko von Patienten mit CED erhöhen.

Auch wenn die Mechanismen, wie Stress und CED zusammenhängen, noch nicht vollständig verstanden sind, gibt es inzwischen viele Studien zu diesem Thema. Letztendlich wirken sich Maßnahmen jeglicher Art, die zu einer Stressreduktion im Alltag und auch im Job führen, positiv auf das Wohl der Patienten aus.

Zuletzt aktualisiert: 29.04.2020