Rna iMPFUNG

Seit nun bereits zwei Jahren werden wir täglich mit aktuellen Zahlen zum COVID-19-Infektionsgeschehen konfrontiert. Unzählige Gesundheitsdaten zum Verlauf und der Ausprägung der Covid-19-Erkrankung betroffener Personen werden gesammelt und ausgewertet. Dahinter können sich COVID-19-Infizierte ohne vorherige Krankheiten, aber auch Personen, die unter Vorerkrankungen wie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn (MC) und Colitis ulcerosa (CU) leiden verbergen. Wie sich der Krankheitsverlauf unter den jeweiligen Vorzeichen entwickelt, ist natürlich sehr individuell – aber eine gesonderte Auswertung von Patientendaten mit bestimmten Vorerkrankungen können bessere Vorhersagen über den möglichen Verlauf der Infektion im Zusammenspiel mit dem jeweiligen Krankheitsbild erlauben.  

CED-Betroffene mit COVID-19-Erkrankung wurden im SECURE-IBD-Register erfasst

Mit dem SECURE-IBD-Register wurde eine internationale Datenbank eingerichtet, mit dem Ziel die Gesundheitsdaten von CED-Betroffenen mit COVID-19-Erkrankung zu erfassen und deren Krankheitsverlauf zu überwachen. Auf der ganzen Welt beteiligten sich Mediziner*innen an der Entwicklung dieser Datenbank, durch deren Hilfe sich die Auswirkung von COVID-19 bei bestehender CED besser charakterisieren lassen sollte.1,2 Ärzt*innen haben, mit Einverständnis ihrer betroffenen Patient*innen, die Möglichkeit Gesundheitsdaten dort zu hinterlegen.1,2 Mit Stand vom 25. Januar 2022 wurden weltweit 7.038 und aus Deutschland 233 Patient*innen im SECURE-IBD-Register erfasst.1 Unterschieden und ausgewertet wurden die Daten etwa nach Alter, Geschlecht, CED-Typ (MC oder CU), Aktivität und Schweregrad der CED, Rauchverhalten und Art der durchgeführten CED-Therapie.1  Die Daten können dem COVID-19-Krankeitsverlauf gegenübergestellt und mögliche Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe abgeschätzt werden.1 

Risikofaktoren für schwere COVID-19-Krankheitsverläufe identifiziert

Anhand der im SECURE-IBD-Register erfassten Daten konnten mögliche Risikofaktoren identifiziert werden, die zu einem schweren COVID-19-Verlauf bei bestehender CED führen können. So stehen ein zunehmendes Alter, das Auftreten weiterer Begleiterkrankungen sowie insbesondere eine Einnahme von Kortikosteroiden mit der Entstehung schwerer COVID-19-Verläufe bei CED im Zusammenhang.1,2,3 Es zeigte sich etwa, dass: 

  • das Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf um das Zwei- bis Dreifache erhöht ist, wenn bei CED-Betroffenen Begleiterkrankungen vorliegen.4

  • insbesondere bei CED-Patient*innen mit zusätzlicher Nierenerkrankung oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) das Risiko für einen schweren Verlauf dreifach erhöht war.4

  • die CED-Behandlung mit Steroiden mit einem erhöhten Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf einhergeht.

  • bei etwa jede*m fünften Betroffene über 60 Jahren der Aufenthalt auf einer Intensivstation notwendig wurde, Beatmungsgeräte eingesetzt werden mussten und/oder der Tod eintrat.2

Zudem solltest du wissen, dass die Gefahren für einen schweren COVID-19-Verlauf nicht nur CED-Patienten betreffen, sondern auch Menschen mit anderen chronischen Vorerkrankungen wie bspw. chronische Lungenerkrankungen, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.2

Zu Beginn der Pandemie stellten sich vermehrt Fragen nach den medikamentösen und weiteren Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf bei CED-Patient*innen. Mittlerweile wurde ein neues Stadium erreicht: Impfstoffe, Immunität, Teststrategien und Behandlungsmöglichkeiten einer COVID-19-Erkrankung stehen nun im Fokus. Da das SECURE-IBD-Register eingerichtet wurde, um die ursprüngliche Fragestellung zu beantworten, ist der Beitrag zu den aktuellen Herausforderungen nicht mehr so wertvoll wie zu Beginn der Pandemie. Daher wird das Register eingestellt.3

Ergebnis bestätigt Hinweise zu negativen Auswirkungen einer anhaltenden Steroidtherapie

Neben den negativen Auswirkungen auf eine COVID-19-Erkrankung kann eine dauerhafte Behandlung mit Steroiden auch weitere Folgen haben – dies zeigt eine Auswertung von Krankenkassendaten in Deutschland.6 Aus dieser lässt sich Folgendes ableiten:

  • bei einer Langzeittherapie mit Steroiden können schwerwiegende Nebenwirkungen wie Osteoporose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten6,
     

  • bis zu 44 % der Patient*innen, die seit mindestens seit 3 Jahren mit Steroiden behandelt wurden, zeigen dennoch Hinweise auf eine aktive Erkrankung6 und
     

  • eine aktive CED, die mit Steroiden behandelt werden muss, steht im Zusammenhang mit häufigeren Krankenhauseinweisungen

Das Ziel sollte ein langfristiger Erhalt einer steroidfreien Remission sein.6 Wie du auf diesem Weg medizinisch unterstützt bzw. bestmöglich versorgt werden kannst, erfährst du bei einem Gespräch mit deinem Arzt bzw. deiner Ärztin. Mehr zum Thema Therapieentscheidungen treffen bietet dir auch der Artikel Therapieziele erkennen und besprechen.

Update zur aktuellen Impfempfehlung gegen COVID-19

Mit der Impfung gegen COVID-19 kannst du das Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs bei Infektion vermeiden. In dem Beitrag Alles klar mit RNA? Was steckt hinter den empfohlenen Covid-19-Impfstoffen? haben wir dich kürzlich zu den aktuellen Empfehlungen zur Impfung gegen COVID-19 für CED-Betroffene mit bestehender Immunsuppression informiert. Die STIKO empfiehlt allen Personen ab 18 Jahren die Impfung gegen COVID-19. Hierbei sollten Personen mit bestimmten Vorerkrankungen – CED-Patient*innen  eingeschlossen – bevorzugt geimpft werden, sollten die Impfkapazitäten eingeschränkt sein. In der Europäischen Union (EU) sind aktuell fünf COVID-19-Impfstoffe zugelassen: Der mRNA-Impfstoff „Comirnaty“(BioNTech) wird laut STIKO ab einem Alter von 5 Jahren empfohlen, wohingegen der zweite zugelassene mRNA-Impfstoff der Firma Moderna Personen ab 30 Jahren angeraten wird. Ab einem Alter von 60 Jahren sollen die beiden Vektor-basierten Impfstoffe der Firmen AstraZeneca und Johnson & Johnson genutzt werden.7 Zudem ist seit dem 20.12.2021 ein Protein-basierter Impfstoff der Firma Novavax zugelassen, der laut STIKO für die Grundimmunisierung von Personen ab 18 Jahren genutzt werden kann.8 

Bei einer bestehenden Vorerkrankungen – wie eine CED – wird bereits 5- bis 11-jährigen Kindern die Grundimmunisierung empfohlen: Hier sollen zwei Impfstoffdosen von „Comirnaty“ im Abstand von 3–6 Wochen die Kinder gegen COVID-19 immunisieren, wobei eine altersgemäße Dosierung von 10 Mikrogramm zugelassen ist. Neben der Grundimmunisierung empfiehlt die STIKO eine dritte Impfstoffdosis (Auffrischung) ab drei Monaten nach abgeschlossener Grundimmunisierung. Bereits für 12–17-jährige Kinder und Jugendliche wird eine solche Auffrischung mit dem mRNA-Impfstoff „Comirnaty“ empfohlen. Hier sollte ein Impfabstand von 3–6 Monaten nach der Grundimmunisierung eingehalten werden, wobei für Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen wie CED eine möglichst frühzeitige Impfung empfohlen wird und Kinder und Jugendliche ohne Vorerkrankungen eher die vollen 6 Monate ausreizen sollten.7 Mit dem Stand vom 03.02.2022 empfiehlt die STIKO zudem eine zweite Auffrischimpfung für besonders gefährdete Personengruppen, zu denen u. a. Menschen ab 70 Jahren, Bewohner*innen von Pflegeeinrichtungen und Tätige in medizinischen Einrichtungen zählen. Aber auch Personen mit Immunschwäche sollen bereits ab einem Alter von 5 Jahren eine zweite Auffrischimpfung erhalten – zu dieser Personengruppe gehören CED-Betroffene, die eine immunsuppressive Therapie erhalten.8

Quellen:

  1. SECURE-IBD Database. Surveillance Epidemiology of Coronavirus (Covid-19) Under Research Exclusion. Stand: 06. April 2021: https://covidibd.org/ (letzter Aufruf: 09.02.22).
  2. Brenner EJ, et al. Corticosteroids, But Not TNF Antagonists, Are Associated With Adverse COVID-19 Outcomes in Patients With Inflammatory Bowel Diseases: Results From an International Registry. Gastroenterology. 2020 Aug;159(2):481-491.e3.
  3. SECURE-IBD Database. Coronavirus and IBD Reporting Database. Stand: 24.01.2022: https://covidibd.org/ (letzter Aufruf: 09.02.22).
  4. Parekh R, et al. Presence of comorbidities associated with severe coronavirus infection in patients with inflammatory bowel disease. Dig Dis Sci. 2021; 1-7.
  5. Ungaro RC, et al. Impact of medications on COVID-19 outcomes in inflammatory bowel disease: analysis of more than 6000 patients from an international registry. Gastroenterology 2022; 162(1): 316-319.
  6. Bokemeyer B, et al. Indicators of active disease and steroid dependency in patients with inflammatory bowel diseases not treated with biologics in a German real-world-setting. Int J Col Dis. 2020; 35:1587–1598.
  7. Lehfeld AS, et al. Meldedaten und KiTa-Register ergänzen sich in der Bewertung der Dynamik der SARS-CoV-2-Ausbrüchen in Kindertageseinrichtungen. Epid Bull 2022; 3: 42-51. 
  8. Robert Koch Institut. Pressemitteilung der STIKO zum COVID-19-Impfstoff Nuvaxovid der Firma Novavax sowie zur 2. COVID-19-Auffrischimpfung für besonders gefährdete Personengruppen. Stand: 03.02.2022. Link: https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/PM_2022-02-03.html (letzter Aufruf: 10.02.22).
     
Zusammenhang zwischen Lungenerkrankungen und Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

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