Alles klar mit RNA? Was steckt hinter den empfohlenen Covid-19-Impfstoffen?

Seit nun mehr einem Jahr bestimmt die Covid-19-Pandemie unser gesellschaftliches Leben und das Auftreten neuer infektiöserer Virusvarianten scheint eine baldige Rückkehr zur Normalität zu verhindern. Die Hoffnung auf einen Ausweg aus der Pandemie besteht in der umfassenden Impfung der Bevölkerung. Ohne eine flächendeckende Impfung schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass sich ca. 80 % der Erdbevölkerung mit dem SARS-CoV-2-Erreger infizieren könnten. Schon jetzt stellt die Entwicklung und Zulassung geeigneter Impfstoffe innerhalb von nur einem Jahr einen herausragenden wissenschaftlichen und medizinischen Erfolg dar – und weitere Impfstoffe sollen folgen und helfen, das Infektionsgeschehen zunehmend in den Griff zu bekommen.

Die Vergabe der Impfstoffe richtet sich nach dem Gefährdungsgrad

Die Coronavirus-Impfverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) mit Stand vom 10. März 2021 sowie die aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission in Deutschland (STIKO) vom 12. März 2021 geben vor, dass bestimmte Risikogruppen der Bevölkerung für die Covid-19-Impfung zu bevorzugen sind. Hierzu zählen beispielsweise medizinisches Fachpersonal, Pflegepersonal in Senioren- und Pflegeheimen, Senioren im Allgemeinen sowie Personen mit bestimmten Grunderkrankungen. Je nach Alter, Art der Vorerkrankung und dem Expositionsrisiko in der medizinischen und pflegenden Betreuung ergeben sich unterschiedliche Grade der Gefährdung an Covid-19 zu erkranken, weshalb das BMG und die STIKO für die Vergabe der Impfstoffe ein stufenweises Vorgehen vorgegeben hat. Auf Basis einer 4-stufigen Impfreihenfolge gemäß Coronavirus-Impfverordnung des BMG und eines 6-stufigen Planes der STIKO erhalten hierbei zunächst Personen der Hochrisikogruppe 1 eine Impfung. Dies betrifft vor allem Menschen im Alter über 80 Jahre und das Personal in Kliniken und Pflegeheimen mit besonders häufigem Kontakt zu gefährdeten und / oder infizierten Personen. Betroffene einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) werden als Personen mit Vorerkrankungen und erhöhtem Risiko für eine Covid-19-Erkrankung im Rahmen der Festlegung einer Impfreihenfolge gemäß Coronavirus-Impfverordnung der Priorisierungsgruppe 3 bzw. gemäß 6-stufiger STIKO-Empfehlung der Priorisierungsgruppe 4 zugeordnet. Zu welchem Zeitpunkt von einer Stufe zur nächsten gewechselt werden kann, liegt in der Entscheidung der Bundesländer und richtet sich unter anderem nach der Verfügbarkeit von Impfstoffen und der Impfbereitschaft innerhalb der einzelnen Gruppen. Eine Übersicht der in der aktuellen Coronavirus-Impfverordnung festgehaltenen Impfreihenfolge zur Priorisierung der COVID-19-Impfung findet du hier. 

Kompetenznetz Darmerkrankungen e.V. empfiehlt mRNA-Impfstoffe

Das Kompetenznetz Darmerkrankungen e.V. – ein führender Verbund aus Wissenschaftler*innen, Ärzt*innen, Fachkliniken, universitären Instituten und der Wirtschaft auf dem Gebiet der Gastroenterologie – veröffentlicht seit der ersten Zulassung von Covid-19-Impfstoffen in Deutschland regelmäßige Empfehlungen zur Impfung CED-Betroffener mit bestehender immunsuppressiver Therapie. Aus Sorge unter einer Immunsuppression besonders gefährdet zu sein oder sich aufgrund dessen nicht gegen Covid-19 impfen lassen zu können, richteten sich viele CED-Betroffene mit Fragen an das Expertengremium. Diese sehen die Sorgen als unbegründet und empfehlen die als unbedenklich einzustufende Impfung mit sogenannten Totimpfstoffen.  Zu der aktuellen Stellungnahme des Kompetenznetz Darmerkrankungen gelangst du hier. 

Im Falle eines Totimpfstoffs werden abgetötete bzw. nicht mehr vermehrungsfähige Erreger oder bestimmte Teile von Erregern, sogenannte Antigene, für die Impfung verwendet. Beispielsweise trifft dies etwa auf die Hepatitis- oder Grippeimpfung zu. Lebendimpfstoffe hingegen enthalten lebensfähige Erreger, welche jedoch stark abgeschwächt sind und keine krankmachenden Eigenschaften mehr besitzen. Beispiele hierfür sind die Impfungen gegen Masern oder Röteln. Bei Patienten, die eine immunsuppressive Therapie einnehmen und dadurch ein geschwächtes Immunsystem besitzen, können Komplikationen durch die Vermehrung solch abgeschwächter Erreger jedoch nicht ausgeschlossen werden, weshalb eine Impfung mit Lebendimpfstoffen unter Immunsuppressiva vermieden werden sollte.  Basierend auf ihrem Wirkmechanismus werden die derzeit in Deutschland gegen Covid-19 zugelassenen Impfstoffe der Firmen BioNTech / Pfizer und Moderna als mRNA- und der Firma AstraZeneca als Vektorimpfstoff bezeichnet. Bei allen derzeit zugelassenen Impfstoffen gegen Covid-19 handelt es sich um Totimpfstoffe. Gemäß der aktuellen Empfehlung des Kompetenznetz Darmerkrankungen besteht für CED-Betroffene unter immunsuppressiver Therapie die Möglichkeit sich mit jedem der verfügbaren Impfstoffe impfen zu lassen.

mRNA-Impfstoffe enthalten den Bauplan für das SARS-CoV-2-Antigen

Die mRNA oder auch „messenger RNA“ ist ein Botenmolekül der Zelle, welches die Bauanleitung zur Bildung von Proteinen enthält. Die mRNA-Moleküle der Covid-19-Impfstoffe beinhalten die Anleitung zum Bau eines bestimmten Proteins aus der äußeren Virushülle des SARS-CoV2-Erregers, das sogenannte „Spike-Protein“. Auf der Oberfläche bilden die Spike-Proteine die charakteristischen kronenförmigen Ausstülpungen, über die die Viren aus der Familie der Coronaviren in die Körperzellen gelangen und denen diese ihren Namen verdanken (Corona = lateinisch für Krone oder Kranz). Die Impfstoffentwicklung ist wesentlich auf dieses charakteristische und virusspezifische Antigen ausgerichtet.

Nachdem der Impfstoff in das Muskelgewebe gespritzt wird, nehmen die umliegenden Zellen die mRNA auf und beginnen mit der Produktion des Spike-Protein, indem der mRNA-Bauplan abgelesen wird. Kommt das Immunsystem anschließend mit dem Spike-Protein in Kontakt wird dieses als fremdartig erkannt und eine Immunantwort durch die Bildung von Antikörpern ausgelöst. Bei einem zukünftigen Kontakt mit SARS-CoV-2-Erregern ist das Immunsystem „geschult“ und kann eine sofortige Abwehrreaktion auslösen – es besteht ein Immunschutz.4 Nachfolgende Abbildung zeigt dir den Wirkmechanismus der mRNA-Impfstoffe im Detail:

Vektorimpfstoffe unter Immunsuppression noch nicht ausreichend untersucht

Die Wirkung des derzeit ebenfalls zur Covid-19-Impfung zugelassenen Vektorimpfstoffs der Firma AstraZeneca beruht auf demselben Prinzip der Produktion des Virusantigens, in Form des Covid-19 Spike-Proteins, durch Zellen unseres Muskelgewebes nach der Impfung. Jedoch unterscheidet sich der Weg, auf welchem die Bauanleitung für das Spike-Protein in unsere Zellen gelangt. Bei Vektorimpfstoffen geschieht dies über für den Menschen harmlose bzw. abgeschwächte Viren, den sogenannten Trägerviren oder Vektoren.Jedoch liegen bislang noch wenige Daten zur Immunogenität, Wirksamkeit und Sicherheit dieses Impfstoffs bei Immunsupprimierten vor. Das Expertengremium des Kompetenznetzes Darmerkrankungen empfiehlt, dass immunsupprimierte Patient*innen – sofern frei wählbar – bei vergleichbaren Sicherheitsdaten mit dem effektivsten Impfstoff geimpft werden sollen. In jedem Fall ist laut Meinung der Experten jedoch die Impfung mit einem von den zugelassenen SARS-CoV-2 Impfstoffen die deutlich bessere Option als keine Impfung durchzuführen. Auch wenn die STIKO derzeit von einer vergleichbaren Sicherheit der Vektorimpfstoffe ausgeht, betont sie dennoch, dass von einer geringeren Wirksamkeit dieser Impfstoffe bei immunsupprimierten Personen in Abhängigkeit von der Art und Ausmaß der Immunsuppression auszugehen ist.

In einigen Punkten herrscht noch Unklarheit und Mediziner*innen und Wissenschaftler*innen arbeiten unter Hochdruck daran, letzte entscheidende Fragen zur Covid-19-Impfung zu klären. Entsprechend werden derzeit Impfempfehlungen regelmäßig aktualisiert. Sobald Neuigkeiten von ärztlichen Fachgesellschaften, dem BMG oder der STIKO erscheinen, werden wir Euch darüber informieren.

Impfung gegen Covid-19 allgemein unbedenklich

Die bislang beobachteten Nebenwirkungen einer Covid-19-Impfung sind gering und vergleichbar mit anderen herkömmlichen Impfungen. So können etwa kurzfristige Reaktionen an der Injektionsstelle in Form leichter Schmerzen, Schwellungen oder Rötungen sowie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwäche oder vereinzelt Übelkeit auftreten. Nur selten werden schwerere Nebenwirkungen beobachtet. Solltest du im Netz oder anderorts Berichte über Nebenwirkungen lesen, so vergewissere dich, dass es sich dabei um vertrauenswürdige Meldungen handelt. Denn zurzeit machen verschiedene Fake News (also Falschmeldungen) die Runde, wie etwa, dass Impfstoffe unser Erbgut verändern könnten oder unfruchtbar machen – solche Behauptungen entsprechen nicht der Wahrheit!

Für eine Impfung sollte die Immunsuppression nach Möglichkeit geringer sein. Dennoch sollten Betroffene einer CED ihre immunsuppressive Therapie zur Impfung nicht unterbrechen, da das Risiko eines möglichen Schubs in der Regel höher ist als das mögliche Risiko einer zu geringen Immunantwort. Sollten sich bei dir keine ausreichend hohen oder lang wirkenden Antikörpermengen zeigen, muss eventuell eine weitere Auffrischungsgabe mit dem Impfstoff erfolgen. Sprich am besten mit deinem / deiner behandelnden Arzt / Ärztin hierzu.

Solltest auch du Bedenken gegenüber einer Covid-19-Impfung haben, hoffen wir, diese ausgeräumt und dir den Mehrwehrt eines Impfschutzes gerade als Betroffener einer chronischen Erkrankung aufgezeigt zu haben!

 

Zuletzt aktualisiert: 04.05.2021