21.08.2017 - Die Erkrankung des Anderen – Wie stark eine CED die Angehörigen belastet

Ständige Bauchkrämpfe, kurzzeitig mal ohne Beschwerden, dann wieder tagelang Durchfälle mit Schmerzen. Kannst du deinen Krankheitsverlauf häufig auch so zusammenfassen? Durch die wiederkehrenden starken Symptome der Krankheit leidest du sehr stark – und mit dir die dir nahestehenden Menschen. Wie stark die chronisch-entzündliche Darmerkrankung das Leben der Angehörigen beeinflusst, ermittelten aktuelle Untersuchungen.

Aktivität macht alle glücklich

Für eine Studie, wurden Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa und ihre Lebensgefährten unabhängig voneinander befragt. Nicht überraschend ist, dass sich die Belastung der Partner verringerte, wenn die Lebensqualität der Menschen mit einer CED gut war. Ein ähnlicher Effekt zeigte sich auch in Bezug auf die Qualität der Partnerschaft bzw. der Zufriedenheit mit dem Sexualleben. Interessant ist allerdings, dass die emotionale Belastung stärker von der sozialen Aktivität und Unternehmungslust der Menschen mit einer CED abhing, als von den Symptomen der Erkrankung. Partner von Betroffenen, die innerhalb des letzten Jahres Krankheitsschübe hatten oder unter der ständigen Angst vor einem erneuten Schub litten, fühlten eine starke Mehrbelastung. Insagesamt machten sich 57 Prozent Sorgen, wie die Zukunft ihres erkrankten Partners aussieht und würden sie bzw. ihn gerne stärker unterstützen:

59 Prozent der Partner fanden, dass sie mehr für ihr erkranktes Familienmitglied tun sollten. 18 Prozent der Paare nahmen therapeutische Hilfe in Anspruch.1

Familie und Freunde als wichtiger Rückhalt bei Crohn und Colitis

Manche Betroffene haben Bedenken, dass sie ihren engsten Angehörigen zur Last fallen, wenn sie zu häufig mit ihnen über die Erkrankung sprechen. Das ergab eine kürzlich durchgeführte Umfrage unter Menschen mit einer CED. Die Angehörigen – Familie, Freunde und Partner – sind allerdings meist ein wichtiger Rückhalt für die Betroffenen, gerade weil sie ihnen so nahe stehen, sich Gedanken um die Gesundheit machen und mitfühlen. Die Mehrheit der Befragten gab auch an, dass ihre Familien mit großem Verständnis und Hilfsbereitschaft reagieren. Dabei sind die Familienmitglieder nach der Diagnose meist, genauso wie die Betroffenen selbst, geschockt und fühlen sich hilflos. Mit der Zeit lernen aber auch die Angehörigen mit der Erkrankung umzugehen und die Betroffenen nicht übertrieben zurückhaltend zu behandeln. Genauso sollten es aber auch die Erkrankten selbst tun: In manchen Phasen kann der Morbus Crohn oder die Colitis ulcerosa sehr belastend sein. Gerade dann ist es wichtig, sich mit den vertrauten Personen auszutauschen, sie nicht mit Samthandschuhen anzufassen und so aus dem eigenen Leben und Erleben auszuschließen.

In vielen Fällen hilft es, offen über die Belastungen durch die Erkrankung zu sprechen. Die tatsächlichen Sorgen und Nöte des Anderen zu kennen, kann eine Erleichterung sein, weil man dann weiß, womit man es zu tun hat und sich nicht eventuell falsche Vorstellungen über das Befinden des Anderen macht – nur so kann gemeinsam an der Situation gearbeitet werden. Möglicherweise ist es hilfreich, sich dabei von einem Psychotherapeuten unterstützen zu lassen.


Quelle

  1. Roy A et al. Gastroenterol 2017; 152 (5), 798