„Was gibt es Neues zu diesem Thema?“ wirst du dich fragen, wenn du schon unseren ersten Artikel kennst. An der einen oder anderen Stelle haben sich durch aktuelle Forschungsergebnisse neue Erkenntnisse ergeben, die du im Artikel findest.

Fruchtbarkeit und günstiger Zeitpunkt

Die gute Nachricht gleich vorweg: Wenn eine Frau mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) schwanger werden möchte, dann klappt das genauso gut wie bei Frauen ähnlichen Alters. Allerdings können bestimmte Medikamente, Mangelzustände oder medizinische Eingriffe im Zusammenhang mit der CED zu Unfruchtbarkeit (Infertilität) bzw. Komplikationen, die einem Kinderwunsch entgegenstehen, führen. Dazu zählen:

  • chronischer Eisenmangel (Anämie) mit Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhö) (fast immer reversibel nach ausreichender Zufuhr von Eisen)

  • seltener: Sulfasalazin, Methotrexat und unbehandelte Abszesse/Fisteln im kleinen Becken

  • ein akuter Krankheitsschub

Die Möglichkeit einer vorliegenden Unfruchtbarkeit steigt mit dem Alter. Bei kinderlosen Paaren ohne chronische Krankheit liegt sie zwischen 20 und 30 Jahren bei 10-20%, zwischen 30 und 40 Jahren bereits bei bis zu 50%.

Der günstigste Zeitpunkt für eine Schwangerschaft ist die Remission. Dabei ist zu beachten, dass diese bereits seit einigen Monaten bestehen sollte. Bei Anwendung von Steroiden sollten Betroffene mindestens 3 Monate vor der Empfängnis in steroidfreier Remission sein. Studien zeigten, dass bei einer hohen Krankheitsaktivität zu Beginn die Schwangerschaft mit Komplikationen verbunden sein kann. Hier ist das Risiko bei Morbus Crohn (MC) höher als bei Colitis ulcerosa (CU).

Eine erhöhte Krankheitsaktivität kann z. B. das Risiko einer Frühgeburt oder von niedrigem Geburtsgewicht erhöhen.

Kinderwunsch: Untersuchungen & Medikamente

Der erste Weg sollte bei einer CED und einem bestehenden Kinderwunsch zum behandelnden Gastroenterologen führen, um Fragen z. B. nach der Einstellung, Reduktion oder Austausch von CED-Medikamenten mit ihm zu besprechen. Nachfolgend werden dann wahrscheinlich die Laborwerte, wie in den sogenannten Toronto-Richtlinien „Zum Management der CED während der Schwangerschaft“ vorgeschlagen, ermittelt:

  • CRP (C-reaktives Protein): Ein Eiweiß, dessen Spiegel ansteigt, wenn z. B. Infektionen vorliegen.

  • Calprotectin: Das Protein wird von Granulozyten (Blutkörperchen zur Infektionsabwehr) bei Entzündungen freigesetzt. Abhängig vom Schweregrad der Entzündung im Verdauungstrakt ist es dann in entsprechender Höhe im Stuhl nachweisbar.

  • Eisen, Vitamin B12, Folsäure

Gegebenenfalls können vor Schwangerschaftsbeginn auch eine Endoskopie oder eine weiterführende Bildgebung (Sonographie oder MRT) durchgeführt werden.

Schwangerschaft

Die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen während einer Schwangerschaft von CED-Patientinnen, wie die eines Schubs, ist nicht erhöht im Vergleich zur CED ohne Schwangerschaft. So beschrieben in einer Studie über 50% der schwangeren Patientinnen ihre Krankheitscharakteristika als unverändert und nur 10% hatten über eine Verschlechterung des MC bzw. CU berichtet. Im Vergleich zu Frauen, die nicht an einer CED erkrankt sind, scheinen CED-Patientinnen laut einer nordamerikanischen Studie zufolge, ein höheres Risiko für Thromboembolien zu haben. Diese Schwangerschaftskomplikation trat bei 1,5 % der Crohn- und 2,1 % der Colitis-Patientinnen auf. Dagegen kam es nur bei 0,2 % der gesunden Frauen in der Kontrollgruppe vor.

Die Geburt und Zeit danach

Im Vorfeld sollten die Eltern und der behandelnde Gynäkologe besprechen, wie die Geburt verlaufen kann, d. h., ob eine vaginale Geburt möglich oder ein Kaiserschnitt (Sectio) zu bevorzugen ist. Eine weitere Frage, neben der Geburtsart, ist sicherlich: Stillen, ja oder nein. Laut einer kanadischen Studie mit 132 Stillenden mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung konnte ein leicht schützender (protektiver) Effekt gegenüber einer kleineren Gruppe von Nicht-Stillenden aufgezeigt werden.  Schutz für die Säuglinge sollen auch Schutzimpfungen bieten. Bei bestimmten Therapieformen dürfen aber in den ersten 6 Monaten keine Lebendimpfungen am Kind, z. B. mit Rotaviren, durchgeführt werden.

3 x das Wichtigste in Kürze:

  • Eine ausreichend stabile Remissionszeit vor einer Schwangerschaft sollte beachtet werden.

  • Nicht die medikamentöse Therapie, sondern die Krankheitsaktivität birgt das höhere Risiko für die Schwangere und das Ungeborene.

  • Eine Schwangerschaft von Patientinnen mit CED ist meist unkompliziert.

Ob die im Text beschriebenen Empfehlungen und Möglichkeiten zutreffen bzw. genutzt werden sollten, sollte in jedem Fall individuell mit dem Arzt besprochen werden.

Zuletzt aktualisiert: 03.04.2019
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