Schon mal was von Leitlinien bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gehört? Leitlinien werden von medizinischen Fachgesellschaften herausgegeben, um Ärzte in ihrer Entscheidung, z. B. hinsichtlich der Therapiewahl, objektiv zu unterstützen. Die Neuerungen in der aktualisierten Leitlinie für Colitis ulcerosa (CU) betreffen dabei u. a. das Thema Ernährung, dem zum ersten Mal ein eigenes Kapitel gewidmet wird. Auch die Bedeutung der frühzeitigen Diagnose wird in der Leitlinie behandelt.

Schneller zur Diagnose

Vom Auftreten der ersten Symptome bis hin zur Diagnose einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) vergehen bei Patienten, die in Deutschland leben, etwa zwei Jahre. Dies hat unterschiedliche Gründe. Die Krankheit wird oftmals weder von Arzt noch Patient erkannt, was an der in vielen Fällen unspezifischen Darstellung der Symptome liegen kann. Daher kommt der Erstdiagnostik der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung eine besonders tragende Rolle zu. Dieser Punkt wird auch in der aktualisierten Leitlinie für Colitis ulcerosa aufgegriffen: Ein Autor der aktualisierten Leitlinie attestiert ihr, dass sie wertvolle Hinweise für eine frühzeitige Diagnosestellung enthält. Denn dadurch wird die individuelle Prognose bestimmt.

Von Mangelernährung, Mikronährstoffen & Co

Daneben spielt bei gesichertem Vorliegen einer CU die Ernährung eine große Rolle. Insbesondere die Mangelernährung, z. B. an Eiweißen, die vor allem während eines Schubs auftreten kann, wird in den Leitlinien aufgegriffen. Diese Mangelernährung kann dich unter Umständen mehr schwächen, als der zugrunde liegende Entzündungsprozess der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Zudem erhöht sie das Risiko von Komplikationen, z. B. für einen schwereren Verlauf (eines Schubs) oder längere Liegezeiten. Daher solltest du dich schon bei Erstdiagnose und nachfolgend während des weiteren Krankheitsverlaufs auf eine Mangelernährung untersuchen lassen.

Wusstest du, dass in Abhängigkeit von der Krankheitsaktivität etwa 30-70 % der Colitis ulcerosa-Betroffenen an Eisenmangel, ca. 40-60 % an einem Vitamin-D-Mangel und 5-10 % an einem Folsäuremangel leiden? Wie bei der Mangelernährung gilt auch bei einem Mikronährstoffmangel: Gleich zu Beginn der Erkrankung und fortlaufend sollte darauf geachtet werden, dass kein Mangel an Mikronährstoffen (Spurenelementen) und Vitaminen entsteht.

Auch die Themen „spezielle Diäten oder Ernährungstherapien werden in der Leitlinie aufgegriffen. Diese werden, laut den Autoren, nicht zum Remissionserhalt, d. h. während der „Stilllegung“ der Erkrankung, empfohlen.

Die Ausnahme: Lediglich vor Operationen sollten Patienten mit einer Mangelernährung für mindestens sieben Tage eine Ernährungstherapie durchführen.

Kurz zusammengefasst:

  • Deinen Ernährungsstatus solltest du bei Therapiebeginn und nachfolgend regelmäßig untersuchen lassen (Ausschluss von Mangelernährung, Defizit an Mikronährstoffen).

  • Zusätzliche Termine zur Überprüfung des Ernährungsstatus: Im Schub oder vor geplanten Operationen.

  • Spezielle Diäten oder Ernährungstherapien werden von der Leitlinie nicht empfohlen – nur vor Operationen, wenn gleichzeitig eine Mangelernährung vorliegt, sollten sie durchgeführt werden.

Wenn du mehr zum Thema Ernährung erfahren möchtest, kannst du das in unserem Artikel „Ernährungstherapie: Richtig genießen lernen“ nachlesen. Darin wird auch der Unterschied zwischen Ernährungsberatung und Ernährungstherapie erklärt. Schaut einfach rein!

Zuletzt aktualisiert: 31.01.2019
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