Wasserkocher, Sporttrinkflaschen oder auch Brotdosen haben meist eines gemeinsam: In diesen Alltagsartikeln ist Bisphenol-A (BPA) enthalten. Es handelt sich dabei um eine Industriechemikalie, die als Ausgangsstoff für die Erzeugung von Polycarbonat-Kunststoffen und Kunstharzen verwendet wird. Gesundheitsschädliche Wirkungen auf den Menschen, die BPA nachgesagt werden, konnten in Studien
bisher nicht nachgewiesen werden. Um mögliche Auswirkungen der BPA-Aufnahme im Zusammenhang mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) festzustellen, wurde kürzlich in den USA eine Tier-Studie durchgeführt.

BPA, Östrogen und CED – Wie hängt das zusammen?

Seit Jahrzehnten wird ein Anstieg der Rate an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen in Industrienationen beobachtet. Dieser Trend zeigt sich auch in Staaten, die sich im Industrialisierungsprozess befinden. Erhobene Daten nennen verschiedene Umweltfaktoren, welche die Entstehung eines Morbus Crohn oder einer Colitis ulcerosa bzw. einen Schub begünstigen und die im Zusammenhang mit einem gestiegenen Lebensstandard stehen. Dazu gehören z. B. Rauchen, die Einnahme von Östrogen-haltigen
Medikamenten („Pille“) oder die Aufnahme von Konserven- oder abgepackter Nahrung. Neben der Einnahme von Hormonen können hormon-ähnliche Effekte aber auch durch BPA ausgelöst werden und möglicherweise eine CED begünstigen.

Wie wirkt BPA?

BPA ist ein so genanntes Xenoöstrogen, also eine Substanz aus der Umwelt, die hormonähnliche Wirkungen besitzt. Epoxidharz, das zur Innenbeschichtung von Konservendosen verwendet wird, enthält BPA, welches sich aus der Beschichtung lösen und in geringen Mengen in die Nahrung gelangen kann. Nach dem Verzehr kann BPA im Dickdarm an Östrogen-Rezeptoren binden. Allerdings entfaltet es in Tierstudien gegenteilige Wirkungen zu der des Östrogens: Es hat keinen schützenden Effekt, sondern wurde in bisherigen Studien mit Veränderungen der Darmflora (Darm-Mikrobiom), der Darm-Barriere-Funktion und einer Entstehung einer CED in Verbindung gebracht.

BPA + Darmflora = Chaos?

Zumindest im Maus-Modell (Mäuse, bei denen durch eine Substanz CED stimuliert wurde) zeigte die Zugabe von BPA weniger gute Ergebnisse. Demnach fördert BPA die Erzeugung von entzündungsfördernden Signalstoffen wie Interleukin-1α im Dickdarm. Auch nahm die Konzentration an bestimmten essentiellen, d. h. lebensnotwendigen, Aminosäuren, wie z. B. Tryptophan, das für eine
Aufhellung der Stimmung sorgt, ab. Insgesamt stieg der Schweregrad der künstlich herbeigeführten CED im Maus-Modell an, nachdem die Gabe von BPA erfolgt war. Schon in früheren Experimenten konnte eine Steigerung der Entzündung nach BPA-Aufnahme beobachtet werden. Die aktuelle Studie zeigt, dass die durch die Umweltschutzagentur festgelegten Maximalwerte von 50 μg/kg/Tag BPA eine Darmentzündung im Maus-Modell verschlimmern können. Diese Ergebnisse müssen allerdings kritisch hinterfragt werden,
denn in einer anderen Forschungsgruppe konnten unter bestimmten Bedingungen leicht schützende Effekte von BPA nachgewiesen werden.

Fazit

Zwar konnte in der aktuellen Studie gezeigt werden, dass die Gabe von BPA eine Veränderung der Aminosäuren-Zusammensetzung im Dickdarm hervorrufen kann und dass damit eine Verschlimmerung der Dickdarm-Entzündung einhergeht. Allerdings müssen noch weitere Studien folgen, denn bisher sind die damit zusammenhängenden Mechanismen noch nicht lückenlos geklärt.

Zuletzt aktualisiert: 27.02.2019
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