Was ist eine Darmspiegelung?

- Diagnostik bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen -

Die wichtigste Untersuchungsmethode zur Beurteilung des Darms ist die Darmspiegelung, die sog. Koloskopie. Für Patienten mit anhaltenden unklaren abdominellen Beschwerden wie Durchfällen, Blut im Stuhl, Bauchschmerzen oder Gewichtsverlust gehört daher eine Darmspiegelung unbedingt zur Erstdiagnostik, um eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung überhaupt nachweisen zu können. Ausgehend von den befallenen Darmabschnitten und Auffälligkeiten der entzündeten Areale kann die Darmspiegelung zudem helfen, zwischen einer Colitis ulcerosa und einem Morbus Crohn zu unterscheiden.

Bei der Darmspiegelung wird ein ca. 1cm dickes schlauchförmiges Instrument (das Endoskop) durch den After in den Dickdarm eingeführt und vorsichtig bis zum Übergang des Dickdarms zum Dünndarm (Ileozökalklappe bzw. terminales Ileum) vorgeschoben. Dann wird das Endoskop langsam wieder unter Sicht zurückgezogen und währenddessen die Schleimhaut des Darmes genau betrachtet (siehe Abbildung 1.1).

Das verwendete Gerät besteht aus einem optischen System mit einer Lichtquelle, das die Bilder aus dem Inneren des Darms auf einen Monitor nach außen überträgt. Der Untersucher kann damit entzündete oder vernarbte Schleimhautareale, Geschwüre (Ulcerationen) oder Schleimhautverdickungen (Polypen) sowie Engstellen im Darm (Stenosen) sehen und auch Gewebeproben entnehmen. Diese Gewebeproben werden dann nach speziellen Färbungen feingeweblich untersucht. Der Untersucher kann hierbei Aussagen darüber treffen, ob die Schleimhaut akut oder chronisch entzündet ist, ob Zellveränderungen oder bösartige Gewebeareale zu finden sind oder ob sich Crohn-typische Veränderungen wir Granulome feststellen lassen. Zudem können im Rahmen einer Darmspiegelung mit Hilfe des Endoskops auch kleinere Eingriffe wie z.B. die Entfernung von Polypen durchgeführt werden. Dies ist insbesondere für die Krebsvorsorge wichtig. Da sich in der oberen Schleimhaut des Darms keine Schmerzrezeptoren befinden, sind sowohl die Entnahme von Gewebeproben als auch die Entfernung von Polypen für den Patienten nicht schmerzhaft.

Wie lange dauert eine Darmspiegelung und wie muss ich mich darauf vorbereiten?

Eine normale Darmspiegelung dauert etwa 20-30 Minuten und wird meist ambulant durchgeführt. Die meisten Patienten wünschen für die Durchführung eine leichte Betäubung durch Schlaf- und Schmerzmittel, da das Hochführen des Endoskops durch den Dickdarm manchmal als unangenehm empfunden wird.

Damit bei der Untersuchung die Schleimhaut des Darms möglichst gut beurteilt werden kann ist es wichtig, dass der Darm so sauber wie möglich ist und keine Verdauungsreste die Sicht behindern. Deshalb muss der Darm vorbereitet und durch Abführmaßnahmen von möglichen Verschmutzungen gereinigt werden. Dies geschieht mit Hilfe von abführenden Medikamenten am Vortag der Untersuchung sowie das Trinken einer mineralhaltigen Lösung – ihr behandelnder Arzt wird sie dazu beraten und Ihnen die erforderlichen Abführmittel verschreiben. Zudem ist es hilfreich, in den drei Tagen vor der Untersuchung auf schwer verdauliche Kost, kernhaltiges Obst (z.B. Weintrauben) zu verzichten.

Kann ich mit einer Darmspiegelung den gesamten Darm beurteilen?

Nein. Im Rahmen einer normalen Darmspiegelung (Koloskopie) lassen sich Veränderungen im Dickdarm feststellen – da das Endoskop aber nur maximal bis zum terminalen Ileum reicht, sind im Rahmen dabei große Teile des Dünndarms nicht einsehbar. Entzündliche Veränderungen oder Engstellen im Dünndarm (z.B. bei einem M. Crohn) werden bei der Koloskopie nicht erfasst. Bei Verdacht auf krankhafte Veränderungen im Dünndarm müssen daher andere Techniken (z.B. bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie, die Kapselendoskopie oder eine spezielle Dünndarm-Spiegelung) in Betracht gezogen werden.

Wie oft brauchen Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen im Verlauf ihrer Erkrankung eine Darmspiegelung?

Dies ist individuell verschieden und hängt vom Krankheitsverlauf und auftretenden Komplikationen ab. Zunächst einmal erfolgt eine Darmspiegelung im Rahmen der Erstdiagnostik sowie beim Auftreten von neuen Beschwerden zur Beurteilung der Ausdehnung und des Schweregrades der Entzündung. Im langfristigen Verlauf sind regelmäßige Darmspiegelungen jedoch auch bei beschwerdefreien CED-Patienten zur Vorsorge gegen Darmkrebs wichtig. Insbesondere Patienten mit einer C. ulcerosa brauchen regelmäßige Kontroll-Endoskopien, um Krebs-Vorstufen frühzeitig zu erkennen und entfernen zu können. Lassen Sie sich daher von Ihrem behandelnden Arzt zu den je nach Befallsmuster und Erkrankung unterschiedlichen aktuell gültigen Empfehlungen beraten.


Abbildung 1.1: Die Abbildung wurde mit freundlicher Genehmigung des Südwest Verlags aus folgendem Buch entnommen: „Was passiert im Darm“ von Frau Prof. Dr.med. Seiderer-Nack, © 2014 Südwest Verlag, ISBN 978-3-517-08959-1

Buch: Was passiert im Darm