Du fühlst dich unwohl am Strand, mit Badeshorts oder Bikini, weil du dich wegen deiner Narben, des Stomas oder des Pouches schämst? Wusstest du, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, das Scham überhaupt fühlen kann? Eigentlich ist Scham sogar ein nützliches Gefühl, aber übermäßige Scham kann auch krank machen.

Scham – zwei Seiten der Medaille

Unser Schamgefühl soll uns dazu antreiben, die Normen ein- und somit die Zusammenarbeit in der Gruppe aufrechtzuerhalten bzw. auch uns selbst zu schützen, indem wir unseren Verbleib in der Gruppe und damit unser Überleben sichern.1 Somit ist Scham zunächst einmal ein natürlicher Mechanismus, der die Gesellschaft funktions- und uns in ihr überlebensfähig macht. Jedoch ist es ja nun mal so, dass du an deinen Narben nichts mehr ändern kannst. Du kannst dich also in diesem Aspekt gar nicht mehr der – wenn man nun mal so will – ‘Norm“ anpassen. Somit kann dich deine Scham leicht zur Verzweiflung bringen und eher dafür sorgen, dass du dich zurückziehst, vielleicht sogar depressiv wirst.

4 Fragen, die deine Narben in ein positives Licht rücken

Es ist leichter gesagt als getan, die Narben zu akzeptieren oder gar schön zu finden. Durch die Operationen sind äußerlich wie innerlich Narben entstanden; sie zeugen dennoch von einem wichtigen Schritt in deinem Leben. Halte dir vor allem die positiven Aspekte vor Augen. Möglicherweise kann dich diese Sicht mit deinem Körper versöhnen. Wenn du ein paar ruhige Momente hast, kannst du auch diese Fragen als Anstöße zum Nachdenken nehmen, die die Narben in ein positives Licht rücken:

  • Was wäre dein (tägliches) Leben ohne deine Narbe/dein Stoma?

  • Hast du an Lebensqualität gewonnen?

  • Würde es dir gesundheitlich genauso gut gehen, wenn du keine OP gehabt hättest?

  • Wurdest bzw. wirst du nach der OP und dem Tragen des Stomas von den dir wichtigen Menschen wirklich anders wahrgenommen?

Du bist mehr als die Summe deiner Teile

Deine Narben sind ja auch nicht alles, was dich ausmacht. Du findest sicher andere Eigenschaften an dir, die viel mehr das widerspiegeln, was du bist und so die Narben immer weiter in den Hintergrund rücken lassen. Sprich ruhig auch aus, was an dir schätzenswert ist. Du könntest Sätze an dich formulieren wie: „Ich finde meinen warmherzigen Umgang mit Mitmenschen schön an mir“ oder „Ich mag mein strahlendes Lachen oder meine außergewöhnliche Augen- oder Haarfarbe“. Sag sie dir mehrmals täglich, am besten, wenn du vor einem Spiegel stehst. Dort wirst du es bewusster wahrnehmen.

Wenn du noch Anlaufschwierigkeiten in Sachen Selbstliebe hast: Frage deine Familie und Freunde, was sie an dir schätzen, sowohl äußerlich, als auch innerlich. Vielleicht schicken sie dir ihre Wertschätzung als Nachricht und du kannst es als Bildschirmhintergrund für dein Smartphone nehmen. So hast du ihre Worte immer vor Augen.

Keine Scheu vor Hilfe von außen

Wenn dir allein aber einfach die Kraft fehlt und auch der Zuspruch von Familie und Freunden nur mäßig hilfreich ist, dann könnte dir eventuell eine psychologische Unterstützung weiterhelfen. Diesen Schritt solltest du mit deinem behandelnden Arzt besprechen. Um einen geeigneten Therapeuten in deiner Nähe zu finden, schau einfach mal auf die Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung deines Bundeslandes.

Schritt für Schritt

Natürlich wirst du nicht morgen aufwachen und plötzlich dein neues Körpergefühl spüren oder dich und deinen Körper direkt mehr mögen. Das Ganze ist, wie jede Veränderung, ein Prozess. Die Liebesklang-Bloggerin Saskia Frietsch teilt im Online-Seminar „Wie stärke ich mein Selbstbewusstsein – trotz Crohn oder Colitis?“ ihre ganz persönlichen Erfahrungen, Erlebnisse und Tipps zu diesem Thema mit dir. Schau dir auch mal ihr Projekt Grenzenlos an. Vielleicht können die Teilnehmer ein Vorbild für dich sein und dir helfen, auch dich selbst in einem positiveren Licht zu sehen.

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