Der Glühweinduft schwebt über dem Weihnachtsmarkt, an jeder Ecke wechseln sich Stände mit Süßigkeiten und herzhaften Speisen ab. Das klingt auch für Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) verführerisch. Aber können sie die Leckereien ohne nachfolgende Beschwerden genießen? Die Frage lässt sich, abgesehen von der Individualität der Patienten, auch aus anderen Gründen nicht pauschal mit einem „ja“ oder „nein“ beantworten.

Alles kann (gut vertragen werden), nichts muss

Holen wir etwas weiter aus: Die Krankheit macht es schwierig, sich einen immer gültigen Essensplan zurechtzulegen. Denn abhängig davon, in welcher Erkrankungsphase du dich befindest, werden Nahrungsmittel teilweise unterschiedlich vertragen. Daher solltest du die Essensgewohnheiten deiner Entzündungsaktivität anpassen:

  • Akuter Schub: In dieser Phase liegt eine schwere bis mittelschwere Entzündung des Darms vor, an deren Schweregrad die Ernährung angepasst werden sollte. Besonders geeignet ist in jedem Fall eine Basis-Schonkost, die ballaststoff-, fett- und reizarm ist. Auch eine Einnahme von Supplementen wie zusätzlichen Vitaminen (A, D, B12 oder Folsäure) oder Mineralstoffen (Calcium, Eisen, Zink oder Selen), die durch den entzündeten Darm nur vermindert aufgenommen (resorbiert) werden, kann sinnvoll sein. Sie sollte allerdings mit dem Arzt abgesprochen werden. Während des akuten Schubs können bei einigen Patienten auch Störungen der Milchzuckerverdauung (sekundäre Laktoseintoleranz) und/oder andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten auftreten.

  • Ausklingender Entzündungsschub: In dieser Phase gilt weiterhin, den Darm nicht zu überlasten. Auch in dieser Phase sollte der Darm noch mit Basis-Schonkost sowie, nach Absprache mit dem Arzt, mit Supplementen versorgt werden. Möglicherweise wird schon eine leichte Vollkost vertragen.

  • Remission: Die Zeit, in der weiterhin auf eine gute, ausgewogene Kost nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (Verlinkung auf: https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/) geachtet werden sollte – aber auch kleine Sünden erlaubt sind.

Fett ist nicht gleich Fett

Natürlich spielt die Entzündungsaktivität die entscheidende Rolle, ob und in welchem Maße kleine kulinarische Sünden in der Vorweihnachtszeit erlaubt sind. Dennoch solltest du auch in der Remissionszeit bei der Verwendung von z. B. Fetten einen genaueren Blick auf sie werfen. Denn tierische und pflanzliche Fett sind unterschiedlich gesund.

  • Tierische Fette: Sie sind z. B. in Brat-, Rinds- oder Rostbratwürsten, die auf jedem Weihnachtsmarkt zu finden sind, enthalten. Dieses und andere fettige Wurst- und Fleischwaren enthalten u. a. Arachidonsäure, die das Ausgangsprodukt für entzündungsfördernde Substanzen (Mediatoren) ist. Sie sollten vermieden werden.

  • Pflanzliche Fette: Diese „guten“ Fette finden sich z. B. in Nüssen, die eine beliebte Backzutat oder ein Nikolauspräsent sind. Nüsse enthalten die alpha-Linolsäure, einen Gegenspieler der Arachidonsäure, die Entzündungen entgegenwirkt. Diese positiven Effekte zeigen auch omega-3-fettsäurereiche Öle (Raps-, Soja-, Walnuss- und Leinöl) sowie Avocados.

Tipps für die Vorweihnachtszeit

Weihnachtsmarkt, Backen mit Freunden oder das Zusammensitzen mit den Arbeitskollegen bei Plätzchen & Glühwein: Auch hier kannst du mitessen, wenn du einige Tipps beherzigst.

  • Süß & lecker: Klassiker wie Schokolade, ausgebackene Leckereien oder Blätterteigspezialitäten enthalten Fette, die für den Darm nicht gut verträglich sein können. Daher besser nur kleinere Mengen von weniger fetthaltigen Speisen wie Hefegebäck verzehren.

  • Getränke: Hier besser auf alkoholfreien Glühwein umsteigen oder sich an einem Teestand mit einer ausgefallenen Teekreation verwöhnen lassen. Eine Studienauswertung an 191 Colitis ulcerosa-Patienten ergab, dass Alkohol einen akuten Schub begünstigen kann.

Zuletzt aktualisiert: 27.02.2019
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