Der Darm ist ein erstaunliches Organ. Er ist nicht nur für die Verdauung und Nährstoffaufnahme zuständig, sondern unterstützt u. a. auch das Immunsystem bei der Abwehr von unerwünschten Eindringlingen. Für diese Funktionen sind unter anderem die Bewohner des Darmtrakts verantwortlich: die Bakterien. Sie steuern wichtige Körperfunktionen, können aber auch Mitursache vieler Erkrankungen, wie z. B. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED), sein.

Darmmikrobiota – unsere kleinen Helferlein

Der menschliche Darm ist Lebensraum für Billionen von Mikroorganismen. Häufig spricht man von der Darmflora, dem Mikrobiom des Darms oder der Darmmikrobiota. Dabei gleicht keine Darmflora der anderen. Sie unterscheidet sich von Mensch zu Mensch in Anzahl und Art der Mikroorganismen und wird maßgeblich von unserer täglichen Ernährung beeinflusst. Normalerweise profitieren wir von den Darmbewohnern (Symbiose), denn die kleinen Untermieter sind fleißige Helfer bei einer Vielzahl von Tätigkeiten: Sie fördern die Aufnahme von Nährstoffen, beschleunigen den Stoffwechsel und schützen vor Infektionen. Im Gegensatz dazu stellt der Darm einen hervorragenden Wohnort für die Bakterien dar. Er ist immer gut temperiert und bietet ausreichend Futter. Wenn allerdings das Zusammenleben zwischen den Mikroorganismen und dem Menschen gestört ist (Dysbiose), können sich Krankheiten breitmachen.

Schon gewusst? Mikroorganismen tragen ihren Namen nicht umsonst. Sie sind in der Regel mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Trotzdem beläuft sich das durchschnittliche Gewicht der Darmflora auf unglaubliche 2 Kilogramm.1 Mehr wissenswerte Fakten über den Darm und seine Mitbewohner erfährst du beispielsweise in dem Buch „Darm mit Charme“ von Giulia Enders.

Neue Studien belegen die Bedeutung der Darmflora bei CED 

Die Entstehung einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung ist ein sehr komplexer Prozess, der bis heute noch nicht vollständig aufgeklärt ist. Neben genetischen Ursachen und bestimmten Umweltfaktoren spielt auch die Darmflora eine entscheidende Rolle.2 Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) haben mit zwei neuen Studien die Bedeutung der Darmmikrobiota bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa verdeutlicht.2,3 Das Molekül Caspase-1 ist in verschiedene Entzündungsprozesse involviert – auch bei den Entzündungsreaktionen im Darm. Die Forscher konnten nun an Mäusen zeigen, dass die Aktivität dieses Moleküls von den Darmbewohnern beeinflusst wird. Seine gezielte Blockade kann zu einer Abschwächung der Entzündungsreaktionen führen.3 Außerdem untersuchten die Forscher verschiedene Gemeinschaften von Mikroorganismen in Mäusen, die eine Entstehung von chronischen Darmentzündungen fördern. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass bestimmte mikrobielle Gemeinschaften im Darm an den Entzündungsreaktionen beteiligt sind, indem sie Einfluss auf das Immunsystem nehmen.2 Diese Erkenntnisse könnten für zukünftige Therapiemöglichkeiten von Bedeutung sein, um punktgenau und individuell an der Ursache von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa anzusetzen.

Weiteres zum Thema  Mikrobiom erklärt Prof. Dr. Robert Ehehalt in unserem Video.

  1. https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/article/933326/mikrobiom-darm-bakterien-viren-untermieter.html (letzter Aufruf: Dezember 2017).

  2. Roy U. et al. Distinct Microbial Communities Trigger Colitis Development upon Intestinal Barrier Damage via Innate or Adaptive Immune Cells. Cell Rep. 2017; 21(4): 994-1008

  3. Błażejewski A. J. et al. Microbiota Normalization Reveals that Canonical Caspase-1 Activation Exacerbates Chemically Induced Intestinal Inflammation. Cell Rep. 2017, 19 (11): 2319-2330

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