Mit der Erkrankung offen umgehen – manchmal leichter gesagt als getan. Vor allem, wenn man dadurch Nachteile befürchten muss. Da sich die Benachteiligung aufgrund von chronischen Erkrankungen vor allem im Arbeitsleben kristallisiert, werden sie gegenüber dem Arbeitgeber oft verschwiegen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), auch Antidiskriminierungsgesetz genannt, verbietet die Benachteiligung aus Gründen einer Behinderung. Jedoch fallen chronische Erkrankungen, wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, nur unter bestimmten Voraussetzungen unter den Behinderungsbegriff.

Was ist der Diskriminierungsschutz?

Den rechtlichen Rahmen für den Diskriminierungsschutz hat das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz geschaffen, das 2006 in Kraft getreten ist. Dieses Bundesgesetz wurde ins Leben gerufen, um „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen“ (§ 1 AGG).

Was bedeutet das AGG konkret? Kommt es z. B. im Beruf zu Ungleichbehandlungen, hat der diskriminierte Mitarbeiter ein Beschwerderecht (§ 13 AGG). Der Arbeitgeber muss daraufhin Maßnahmen in die Wege leiten, um die ungerechte Behandlung zu unterbinden. Wenn der Arbeitgeber ungeeignet handelt, hat der Geschädigte Anspruch auf Entschädigung und ein Klagerecht. 

Gilt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz auch bei chronischen Erkrankungen?

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zählen zu den chronischen Erkrankungen des Verdauungstrakts. Das heißt: Sie treten nicht nur kurzfristig auf, sondern bestehen über einen längeren Zeitraum. Zudem können chronische Erkrankungen nicht vollständig geheilt werden, was zu einer erhöhten Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems führt. Die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen stellen daher für die Betroffenen eine hohe Belastung im Privat- und Berufsleben dar, unterliegen dem AGG aber nur dann, wenn sie auch als Behinderung eingestuft werden. Die Definition für eine vorliegende Behinderung im AGG orientiert sich am Sozialgesetzbuch (§ 2 Absatz 1 SGB IX). Darin wird von einer Behinderung gesprochen, wenn eine dauerhafte Funktionsbeeinträchtigung im Zusammenwirken mit gesellschaftlichen Barrieren „an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können“.

Nicht alle chronischen Erkrankungen entsprechen dieser Definition, werden daher nicht als Diskriminierungsgrund angesehen und unterliegen somit nicht dem Schutz des AGGs. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) plädiert jedoch deutlich für eine Verbesserung des AGGs hinsichtlich der Definition von „Behinderung“ und fordert daher, chronische Erkrankungen generell miteinzuschließen. Die ADS wurde 2006 im Bereich des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eingerichtet, nachdem das AGG in Kraft getreten war. Unter anderem unterstützt sie Menschen, die Benachteiligungen erfahren haben, entwickelt Maßnahmen zur Verhinderung von Diskriminierung und führt wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema durch.

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