Diagnose: Colitis ulcerosa

Wie erkennt der Arzt meine Colitis ulcerosa?

Die Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) und betrifft End- und Dickdarm.

Für die Therapie muss Dein Arzt andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen wie einen Morbus Crohn sicher ausschließen. Dafür nutzt er verschiedene Methoden:

  • Ärztliches Gespräch (Anamnese)
  • Körperliche Untersuchung, vor allem des Darms
  • Blut- und Stuhlproben

Um die Colitis ulcerosa richtig und rechtzeitig zu behandeln, grenzt der Arzt die Krankheit gegenüber anderen Darmerkrankungen ab. Dazu zählen zum Beispiel eine Divertikulitis, bakterielle Darminfekte, ein Reizdarmsyndrom oder die entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn.

Ärztliches Gespräch

Die Anamnese klärt die Krankengeschichte des Betroffenen und ist ausschlaggebend für die Diagnose der Colitis ulcerosa. Dazu wird zunächst geklärt, ob in Deiner Familie Krankheiten des Magen-Darm-Traktes gehäuft auftreten oder ob psychische Faktoren, etwa familiäre Belastungen vorhanden sind. Zudem werden somatische Beschwerden abgedeckt: Symptome der entzündlichen Darmerkrankung sind etwa häufiger Stuhldrang, Bauchkrämpfe und flüssiger bis dünnflüssiger blutiger Durchfall. Andere typische Symptome sind Fieber, Abgeschlagenheit und Krankheitsgefühl oder Gewichtsverlust.

Auch sogenannte extraintestinale Manifestationen, also Beschwerden außerhalb des Darms, treten bei der Erkrankung auf, wenn auch seltener als beim Morbus Crohn. Die häufigsten dieser Beschwerden sind Gelenkentzündungen sowie Entzündungen der Wirbelsäule oder des Kreuzbeins. Einige Patienten bekommen Begleiterkrankungen, etwa eine Osteoporose oder Entzündungen der Augen. Auch die Haut kann sich entzünden. Ebenso kann die Erkrankung die Leber befallen.

Auch Deine Lebensgewohnheiten und Deine Ernährung sind wichtige Informationen für die Diagnose, ebenso Vorerkrankungen, Operationen, Allergien und Umwelteinflüsse. Dabei spielen etwa auch Bakterien, Viren sowie Schadstoffe eine Rolle, denn auch diese können Ursache sein für Infektionen oder Entzündungen der Darmschleimhaut.

Gewissheit per Darmspiegelung

Bei der körperlichen Untersuchung werden Blutdruck, Puls und Körpertemperatur des Patienten gemessen, sowie die Körpermaße, um eventuelle Gewichtsverluste im Krankheitsverlauf festzustellen. Beim Abtasten des Bauches können Bauchschmerzen festgestellt und lokalisiert werden. Dann erfolgt eine rektale Untersuchung, da die Krankheit den unteren Darmabschnitt betrifft.

Bisher gibt es keinen speziellen Test, mit dem Dein Arzt Colitis ulcerosa direkt nachweisen kann. Zur Sicherung der Diagnose wird daher häufig eine Darmspiegelung (auch Koloskopie) durchgeführt. Hier lassen sich auch kleine Polypen und Geschwüre feststellen. Dabei wird mit einem sogenannten Endoskop, auch Koloskop, die Darmschleimhaut nach Auffälligkeiten untersucht. Darmspiegelungen führen meist Gastroenterologen in der Praxis oder ambulant im Krankenhaus durch. Die Untersuchung dauert etwa 20 Minuten. Zur Vorbereitung der Darmspiegelung muss der Darm von Speise- und Stuhlresten gereinigt sein. Dazu nehmen Patienten am Tag davor ein Abführmittel zu sich und trinken sehr viel Flüssigkeit, darunter auch eine mineralhaltige Spüllösung. Essen dürfen sie nur leichtverdauliche Kost.

Das Endoskop ist sieben bis zehn Millimeter breit und etwa anderthalb Meter lang. Es ist mit einer Lichtquelle und einer Minikamera ausgestattet. Diese überträgt die Bilder aus dem Inneren des Darms auf einen Farbmonitor. Der Kamerakopf ist flexibel beweglich und leuchtet den Darm komplett aus. Um Gewebeproben zu entnehmen, hat das Endoskop eine Spülvorrichtung sowie Kanäle, durch die kleinste Instrumente transportiert werden können.

Ablauf einer Darmspiegelung

Bei der Darmspiegelung führt der Arzt den flexiblen Schlauch über den Anus ein und bläst vorsichtig Luft in den Darm, damit sich die Darmwände entfalten. Langsam schiebt er das Instrument in höhere Bereiche des Dickdarms vor, bis zum Übergang zum Dünndarm. Nun zieht er das Endoskop langsam wieder zurück, untersucht die Darmschleimhaut im gesamten Dickdarm und entnimmt Gewebeproben. Diese betrachtet der Pathologe unter dem Mikroskop und sichert die Diagnose.

Die Darmspiegelung verläuft weitgehend schmerzarm. Einige Patienten empfinden das Vorschieben des Endoskopes allerdings als unangenehm. Daher wird häufig eine Narkose durchgeführt. Nach der Koloskopie sollten sich Patienten, die eine Narkose bekommen  haben, ausruhen.

Die Darmspiegelung ist grundsätzlich eine sichere Methode. Auch zur Früherkennung von Darmkrebs dient sie als zentrale Untersuchung.
Nicht immer lassen sich jedoch die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn bei der Koloskopie voneinander abgrenzen.

Blut- und Stuhlproben

Ein wichtiger Aspekt der Diagnose sind Laborwerte: Eine Stuhluntersuchung des Betroffenen kann eine erregerbedingte Darmentzündung ausschließen. In einer Blutuntersuchung werden Hinweise auf eine Entzündung im Körper gesucht. Dazu geben etwa das C-reaktive Protein (CRP) und die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) Auskunft. Diese Werte sind bei einer Colitis ulcerosa oft erhöht, ebenso wie die weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Unter Umständen werden auch Leberwerte wie gamma-GT (GGT) oder die alkalische Phosphatase (AP) gemessen. Zudem kann das Blutbild einen Nährstoff-Mangel oder eine Blutarmut (Anämie) aufzeigen. Diese kann durch häufige Blutungen aus dem Darm entstehen.

Die Laborwerte der beiden Krankheiten Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können jedoch so gut wie identisch sein. Eine Unterscheidung auf Basis von Blut und Stuhl ist deshalb nicht immer möglich. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie oder das Röntgen des Darmes nutzen die Ärzte nur bei speziellen Fragestellungen.

Arzt Deines Vertrauens konsultieren

Für die zukünftige Behandlung solltest Du einen Arzt wählen, dem Du vertraust und der sich mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (im Folgenden abgekürzt mit „CED“) genau auskennt. Sowohl in Kliniken als auch unter den niedergelassenen Ärzten gibt es Mediziner mit ausgewiesener CED-Expertise. Sie werden häufig von spezialisierten Fachassistentinnen unterstützt. Beispielsweise führt die Patientenorganisation DCCV e.V. (Deutsche Morbus Crohn  /  Colitis ulcerosa Vereinigung) eine ständig aktualisierte Arztliste mit Empfehlungen von Betroffenen. Beim „Kompetenznetz Darmerkrankungen“ kannst Du online nach einem Arzt mit CED-Expertise suchen.

Zuletzt aktualisiert: 13.12.2017